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Patientensprechstunde: Reflux-Erkrankung


Herzlich Willkommen zur Patientensprechstunde vom Klinikum Chemnitz. Wir sind heute in der Klinik für
Allgemein- und Viszeralchirurgie und sprechen mit Chefarzt Professor Mirow.
Vielen Dank für Ihre Zeit. Herzlich Willkommen bei uns in der
Klinik. Ich freue mich sehr. Wir haben das Thema Reflux-Erkrankung
heute und damit gleich die erste Frage: Welche Bedeutung hat eine Reflux-Erkrankung heute und welche Beschwerden haben die Patienten? Die Reflux-Erkrankung ist in
der Tat eine Volkskrankheit. 10 bis 20 Prozent aller Menschen sind betroffen, nach Schätzungen der aktuellen wissenschaftlichen Erfassung, und davon
haben 40 Prozent der Patienten Beschwerden. Das sind also immense Krankheitszahlen über die wir reden in diesem
Zusammenhang und wenn man weiß, dass 0,1 Prozent dieser Patienten einen
Speiseröhrenkrebs entwickeln aufgrund dieser Erkrankung, dann ist es auch eine
ernst zunehmende Geschichte, über die wir reden. Können sie nochmal genau erklären, was es eigentlich ist? Reflux wird sich nicht jedem sofort erschließen.
Ja wir haben hier mal ein Magen-Modell mitgebracht und deshalb erklärt es sich
hieran vielleicht am besten: Die Reflux-Erkrankung bedeutet letztlich die
Schlussunfähigkeit des unteren Speiseröhremuskels und das kann
verschiedene Ursachen haben. Wir haben verschiedene Erkrankungen, die zu dieser Schlussunfähigkeit führen können, zum Beispiel Zwerchfellbrüche in diesem Bereich, wo der Schließmuskel einfach nach oben gezogen wird und
deshalb nicht mehr vernünftig schließt. Wir haben verschiedene
Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel den Diabetes, der zu einer
Nervenstörung führen kann in diesem Bereich oder bestimmte andere Erkrankungen. Wir haben aber auch bestimmte
Medikamente, die zu einem Reflux führen, wie zum Beispiel das sehr weit
verbreitete ASS Acetylsalicylsäure, was zum Beispiel Herzpatienten sehr
häufig verordnet bekommen und wir haben natürlich auch das Phänomen, dass unsere Ernährung immer wieder Probleme macht in diesem Zusammenhang zum Beispiel sehr reichhaltige fettreiche Mahlzeiten, ein hoher Anteil von Zucker in der Speise,
aber auch Alkoholgenuss führen in diesem Zusammenhang zu großen Problemen.
Wie kann der Patient oder derjenige, der es noch gar nicht weiß, das früh erkennen? An welchen Symptomen erkennt er seine Erkrankung?
Das Leitsymptom ist Sodbrennen. Darüber berichten die meisten Patienten.
Das tritt vor allem nachts bei den meisten Patienten auf. Die merken dann,
dass es brennt in der Speiseröhre, dass sie einen Schmerz haben hinter dem
Brustbein, aber auch das klassische Sodbrennen, die Säure im Rachen quasi, das berichten sehr viele Patienten. Was für Behandlungsmethoden wenden sie an, bieten sie an? Aus unserer Sicht muss zuerst eine
vernünftige Diagnostik erfolgen. Das heißt, bevor wir irgendeine Art von
Behandlung empfehlen, muss vernünftig diagnostiziert werden. Eine
Basisuntersuchung ist eine Magenspiegelung. Das macht niemand gern selbstverständlich, aber das ist notwendig in diesem Zusammenhang, das kann man sehr schonend heutzutage gewährleisten. Man kann unter einer Art
Narkose diese Magenspiegelung durchführen, der Patient merkt nichts
davon. Im zweiten Schritt werden Untersuchungen gemacht wie die sogenannte pH-Metrie. Da wird über 24 Stunden eine kleine
Sonde eingebracht in die Speiseröhre und es wird der ph-Wert ständig gemessen
über 24 Stunden und wir erkennen sehr genau die Veränderungen, die sich dann
abspielen und letztlich kommt noch eine sogenannte Manometrie hinzu, das ist
eine Druckmessung in der Speiseröhre durch eine spezielle Sonde, wo wir genau
erkennen können, welche Störungen der Speiseröhrenfunktion vorliegen und
eventuell zu diesem Reflux führen. Ist es ratsam, das dauerhaft medikamentös zu behandeln oder kommt sehr schnell auch die Chirurgie zum Zuge? Der erste
Schritt ist immer eine medikamentöse Behandlung. Diese sogenannten Säureblocker, wie zum Beispiel Omeprazol, werden ja sehr
verbreitet eingenommen, aber mir ist besonders wichtig, dass die
indikationsgerecht eingenommen werden und nicht ohne Diagnostik verordnet
werden. Das heißt, die Diagnostik muss zum Beispiel, wenn man über solche
Beschwerden klagt, einen Speiseröhrenkrebs ausschließen, und dann ist es möglich, im ersten Schritt Medikamente einzunehmen. Wenn man als Ursache für den Reflux einen größeren Zwerchfellbruch feststellt, dann
ist sehr früh eine chirurgische Behandlung empfehlenswert, weil diese
anatomische Veränderung sollte rekonstruiert werden und kann bei vielen
Patienten auch dazu beitragen, dass der Reflux entsprechend behandelt wird.
Daraus schließen wir: Eine frühzeitige Diagnostik ist wichtig, also nicht zu
lange warten sondern schnell den Arzt aufsuchen, damit das festgestellt werden
kann und es nicht zu Langzeitschäden kommt? Richtig. Ich hatte erklärt, dass als
Langzeitschäden zum Beispiel auch eine Krebsentstehung beinhaltet sein kann. Aus unserer Sicht ist aber auch schon die Veränderung in der Speiseröhre, die Entzündung in der Speiseröhre, dringend behandlungsbedürftig, weil sie immer auch eine Vorstufe für bösartige Veränderungen sein kann und deshalb sollte frühzeitig
dann auch nach entsprechender Diagnostik mit einer Therapie begonnen werden.
Welche chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Ja als Chirurgen kommen wir am Schluss der Therapie immer dann, wenn die
konservative Therapie versagt, dann sollten die Patienten uns vorgestellt
werden. Das heißt, wenn die Einnahme von Omeprazol länger als sechs Monate
erfolgt, dann wissen wir aufgrund dieser Nebenwirkung dieser
Medikamente, dass eine chirurgische Therapie
langfristig für den Patienten die bessere Alternative sein kann.
Und da muss man sehr genau schauen, welche diagnostischen Dinge haben wir
gefunden, welche Beschwerden hat der Patient und dann können wir ihm
verschiedene Verfahren empfehlen. Hat er zum Beispiel einen großen
Zwerchfellbruch, dann sollte dieser Bruch rekonstruiert werden. Sollte man im Rahmen einer Schlüssellochoperation diesen Bruch rekonstruieren. Heißt schließen zunähen, reparieren? Den verschließen wir, den nähen wir
tatsächlich zu. In Einzelfällen wird sogar eine Verstärkung des Zwerchfells vorgenommen durch ein Kunststoffnetz. Da sind wir heutzutage sehr zurückhaltend, aber das
ist eine Möglichkeit, um das Zwechfell zu verstärken.
Und dann wird im Einzelfall eine Manschette gebildet aus dem oberen Magenanteil, um hier eine Rekonstruktion auch des Schließmuskels zu erreichen.
Da gibt es wieder verschiedene Varianten. Ob man eine vollständige Manschette
anwendet oder eine 270-Grad-Manschette, das hängt sehr davon ab, wie die anatomischen Verhältnisse bei den
Patienten sind und dann hat man zunächst eine funktionell sehr gute
Rekonstruktion. Aber es gibt auch sehr neue Verfahren.
Die Medizin entwickelt sich auch in diesem Zusammenhang immer
weiter und wir haben jetzt ein sehr neues Gerät und wir sind tatsächlich in
der erweiterten Region die erste Klinik, die dieses Gerät einsetzen kann.
das sogenannte EndoStim-Verfahren ist ein kleiner Stimulator für den unteren
Schließmuskel der Speiseröhre. Der hat die Größe eines Herzschrittmachers,
funktioniert auch ganz ähnlich und wird mit zwei Sonden an den Schließmuskel der
Speiseröhre platziert und gibt so einen Dauerimpuls ab über 24 Stunden und
führt so zu einer vernünftigen Funktion, zu einer regulären Funktion des
Speiseröhrenschließmuskels. Das ist ein sehr neues Verfahren, wir haben jetzt die
ersten zehn Patienten damit behandelt und können wirklich berichten, dass das
ein sehr schönes Verfahren ist und die Patienten mit einer hohen Zufriedenheit
zu den Kontrolluntersuchungen erschienen sind.
Sie haben hier an Ihrer Klinik ein Reflux-Zentrum gegründet. Können Sie ein bisschen erläutern, was das bedeutet und was die besonderen Vorteile für die
Patienten sind? Ja Zentrenbildung hat aus unserer Sicht immer den Vorteil, dass
sich Leute wirklich intensiv mit einer Erkrankung befassen.
Das heißt, wir haben durch diese Zentrenbildung natürlich Spezialisten
hier vor Ort, die sich hauptsächlich mit der Behandlung dieser Erkrankung
befassen können. Das gilt in der Diagnostik. Da beginnt es, dass spezialisierte
Endoskopiker schauen, welche Veränderungen treten auf, dass natürlich
auch die Untersuchungsverfahren, die in einem Zentrum in hoher Zahl durchgeführt werden, mit entsprechender Sicherheit hinterlegt sind und so die Patienten
zunächst eine sichere Diagnose erhalten und dann wird natürlich auch im Bereich
der Therapie gewährleistet, dass die Behandler, auch die Chirurgen, in
der letzten Instanz diese Eingriffe sehr häufig durchführen und so über sehr
große Erfahrung verfügen in dieser Behandlung. Also alles aus einer Hand und
die wirkt routiniert am Klinikum Chemnitz. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und für Ihre Zeit und das
Gespräch. Sehr gern.

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